Häufige Fragen zur Genossenschaft

 

Was braucht man für die Gründung einer Genossenschaft?

 

Für die Gründung einer Genossenschaft benötigt man drei Gründungsmitglieder – natürliche oder juristische Personen (z.B. Kommunen, Unternehmen) –, die Satzung als rechtliches Konzept sowie einen Geschäftsplan („Businessplan“), der das Vorhaben beschreibt und eine mehrjährige Unternehmensplanung beinhaltet

Auf welchen rechtlichen Grundlagen basiert die Gründung?

 

Rechtsgrundlagen des deutschen Genossenschaftsrechts sind das Genossen-schaftsgesetz (GenG) und das Handelsgesetzbuch (HGB). Die Satzung, die zwingend beim Registergericht bei Eintragung einzureichen ist, bildet den juristischen Rahmen der Geschäftsidee und enthält Aussagen zu den Rechten und Pflichten der Mitglieder, zum Geschäftsanteil, Geschäftsguthaben und Haftsumme, zu den Organen und schließlich zur Rechnungslegung

 

 

 

Was unterscheidet die Genossenschaft von anderen Unternehmensformen?
Bei der Genossenschaft stehen die demokratischen Spielregeln sowie die Mitglieder und deren Interessen im Mittelpunkt. Sie sind gleichzeitig Entscheidungsträger, Geschäftspartner und Kapitalgeber. Der Zweck der Genossenschaft ist auf den langfristigen Erfolg und Nutzen für die Mitglieder ausgerichtet, nicht auf die kurzfristige Kapitalrendite.

Wann ist ein Zusammenschluss in einer Genossenschaft sinnvoll?
In der Genossenschaft schließen sich natürliche oder juristische Personen zusam-men, die ein gemeinsames Ziel haben und wirtschaftlich tätig werden wollen. Im Rahmen ihrer Kooperation können sie Leistungen anbieten, die das einzelne Mitglied alleine nicht oder nur unter großem Aufwand erbringen kann.

Wie ist eine Genossenschaft aufgebaut?

Eine Genossenschaft besteht aus drei Organen: Generalversammlung, Vorstand und Aufsichtsrat. Sie zeichnet sich durch transparente Strukturen und Entscheidungspro-zesse aus.

Wer kann in einer Genossenschaft wie mitbestimmen?
Die Genossenschaft ist eine demokratische Unternehmensform. Jedes Mitglied hat in der Generalversammlung grundsätzlich eine Stimme – unabhängig von der Höhe der finanziellen Beteiligung. Dies bedeutet, dass jedes Mitglied mit seiner Stimme bei Entscheidungen das gleiche Gewicht hat und nicht befürchten muss, von anderen Mitgliedern aufgrund einer höheren Kapitalbeteiligung überstimmt zu werden.

 


Welche Aufgaben hat die Generalversammlung?
Der Generalversammlung gehören alle Mitglieder der Genossenschaft an. Sie wählt aus ihrer Mitte den Vorstand (mindestens zwei natürliche Personen) und gegeben-enfalls den Aufsichtsrat (mindestens drei natürliche Personen). Darüber hinaus entscheidet sie u. a. über die Verwendung des Jahresergebnisses sowie über die Satzung und Satzungsänderungen.

 

Welche Aufgaben nimmt der Vorstand wahr?
Der Vorstand besteht aus mindestens zwei natürlichen Personen und kann von der Generalversammlung gewählt oder vom Aufsichtsrat bestellt werden. Der Vorstand hat die eigenverantwortliche Leitung der Genossenschaft inne und führt die Geschäfte entsprechend der genossenschaftlichen Zielsetzung. Darüber hinaus zählt zu seinen Aufgaben u. a., für ein ordnungsgemäßes Rechnungswesen zu sorgen und den Jahresabschluss aufzustellen. Der Vorstand berichtet gegenüber dem Aufsichtsrat über die Entwicklungen der Genossenschaft. Das Vorstandsamt kann ehrenamtlich geführt werden. Hauptamtliche Vorstandsmitglieder werden i. d. R. durch den Aufsichtsrat bestellt.

Welche Aufgaben nimmt der Aufsichtsrat wahr?
Der Aufsichtsrat setzt sich aus mindestens drei natürlichen Personen zusammen, die ehrenamtlich tätig sind und von der Generalversammlung gewählt werden. Er über-wacht den Vorstand und vertritt die Interessen der Genossenschaft gegenüber dem Vorstand. Er prüft die Geschäftsführung durch den Vorstand sowie den vorgelegten Jahresabschluss und informiert die Generalversammlung über die Angelegenheiten und Entwicklungen der Genossenschaft.

Ist die Rechtsform der Genossenschaft an bestimmte Unternehmensziele bzw. Geschäftszwecke gebunden?
Nein, der Geschäftszweck einer Genossenschaft kann wirtschaftlicher, sozialer oder auch kultureller Art sein und wird durch den gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb erbracht.

Wie kann ich einer Genossenschaft beitreten und wie kann ich die Genossen-schaft wieder verlassen?
Der Ein- und Austritt von Mitgliedern ist problemlos und unbürokratisch. Für den Eintritt genügen eine schriftliche Beitrittserklärung und die Zulassung durch den Vorstand. Die Mitgliedschaft kann mit einfachem Kündigungsschreiben – innerhalb der in der Satzung festgelegten Frist – an den Vorstand beendet werden.

 

Welche finanziellen Verpflichtungen gehe ich mit der Mitgliedschaft in einer
Genossenschaft ein?
Jedes Mitglied muss mit dem Beitritt zu einer Genossenschaft einen Beitrag leisten und mindestens einen Genossenschaftsanteil erwerben. Die Höhe des Geschäfts-anteils (= Betrag in €) wird von den Mitgliedern gemeinsam beschlossen und in der Satzung festgelegt. Der Anteil kann im Einzelfall auch als Sacheinlage geleistet werden. Die Haftung der Mitglieder kann durch Satzungsgestaltung auf die Geschäftsanteile begrenzt werden. Über spezielle Satzungsregelungen können die Mitglieder auch verpflichtet sein, laufende Beiträge oder ein Eintrittsgeld zu leisten.

Wie ist die Genossenschaft steuerlich einzuordnen?
Die Genossenschaft ist den Kapitalgesellschaften steuerlich grundsätzlich gleich-gestellt. Sie verfügt aber über die besondere Gestaltungsmöglichkeit der genossen-schaftlichen Rückvergütung.

Was versteht man unter genossenschaftlicher Rückvergütung?
In der Genossenschaft gibt es die Besonderheit der Rückvergütung. Dies bedeutet, dass die Genossenschaft die Möglichkeit hat, den erzielten Gewinn aus dem Geschäft mit den Mitgliedern nachträglich – nach Aufstellung der Bilanz – wieder an diese ganz oder teilweise zurückzuzahlen. Die Rückvergütung mindert den steuer-lichen Gewinn der Genossenschaft für das Jahr, für das sie gewährt wird. So kommt die Auszahlung ohne steuerliche Belastung dem Mitglied zugute.
Kann eine Genossenschaft gemeinnützig sein?
Ja, wenn die Tätigkeit der Genossenschaft darauf ausgerichtet ist, die Allgemeinheit zu fördern und die Satzung entsprechend den Anforderungen der Abgabenordnung gestaltet ist, kann die Genossenschaft als gemeinnützig anerkannt werden. Sie kann unter diesen Voraussetzungen von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit werden. Die Genossenschaft muss den steuerbegünstigten Zweck tatsächlich erfüllen.

 

Mit welchem Zeitaufwand rechnet man für die Gründung einer Genossen-schaft?

 

Der konkrete Zeitaufwand für eine Gründung hängt im Wesentlichen von der Qualität der eingereichten Unterlagen sowie dem Engagement der Gründungsmitglieder ab. Der größte Zeitanteil entfällt auf die Ausarbeitung des Geschäftskonzeptes (Businessplan) und der Satzung, welche auf Basis einer Mustersatzung entwickelt wird. Für den reinen Gründungsprozess, das heißt Grünungsversammlung inklusive Gründungsprüfung und Eintragung der Genossenschaft in das örtliche Genossen-schaftsregister muss mit einem Aufwand von mindestens vier bis sechs Wochen gerechnet werden.

 

Was kostet die Gründung einer Genossenschaft?
Die Kosten für die Gründung einer Genossenschaft hängen vom Umfang des
Gründungsvorhabens ab. Die Erstberatung ist kostenfrei.

Gibt es Hilfestellung bei der Gründung eines genossenschaftlichen Unter-nehmens?
Ja, die gibt es. In Schleswig-Holstein stehen der Genossenschaftsverband und die BEiK eG als kompetente Partner bei der Gründung des genossenschaftlichen Unternehmens sowie beim Unternehmensstart zur Seite. Neben der Beratung in steuerlichen, rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen führen die Unternehmen auch die vorgeschriebenen Prüfungen durch.

 

 

 

Genossenschaft  - Ein Überblick

 

Interessenausgleich: Genossenschaften ermöglichen als kooperative Unternehmen das gemeinsame Engagement verschiedener Akteure vor Ort und vereinen umwelt-politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und kommunale Interessen.

 

Akzeptanz: Genossenschaften steigern durch echte Beteiligung am eigenen Unter-nehmen die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger für die Umsetzung von Erneuer-bare-Energien-Projekten in der Region.

 

Regionale Wertschöpfung: Genossenschaften stärken regionale Wertschöpfungs-kreisläufe, da Bürgerinnen und Bürger gemeinsam in Projekte investieren, die mit lokalen Unternehmen und Banken, Handwerkern und Projektierern realisiert werden und von denen auch die Kommune durch Steuereinnahmen profitiert.

 

Soziale Gerechtigkeit: Genossenschaften leisten einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit, da sich auch Bürgerinnen und Bürger mit geringem Einkommen als Genossenschaftsmitglied aktiv an der Energiewende beteiligen können.

 

Bedarfsgerechte Energiewirtschaft: Genossenschaften ermöglichen eine bedarfsgerechte Produktion und Versorgung mit Energie, da sie nicht auf eine hohe Rendite für Anteilseigner, sondern auf die optimale Förderung ihrer Mitglieder ausgerichtet sind.

 

Dauerhaftes Engagement: Genossenschaften sind keine rein kapitalmäßige Beteiligung der Bürger, sondern regionale Unternehmen, die langfristig mit den beteiligten Akteuren die regionale Energieversorgung gestalten.

Insolvenzsichere Unternehmensform: Genossenschaften sind extrem insol-venzfest und bieten ihren Mitgliedern und Geschäftspartnern durch die enge Betreuung und regelmäßige Prüfung durch einen Genossenschaftsverband ein hohes Maß an Sicherheit.